DIE VIER FRAGEN
Nun überprüfen Sie jede Aussage, die Sie auf das Arbeitsblatt geschrieben haben, anhand von vier Fragen:
1. Ist das wahr?
2. Können Sie mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
3. Wie reagieren Sie, wenn Sie diesen Gedanken denken?
4. Wer wären Sie ohne diesen Gedanken?
Ein Beispiel dafür, wie das gemacht wird, finden Sie auf der nächsten Seite. Es mag sein, dass Sie das Gefühl haben, die Antwort schon zu kennen, wenn Sie sich diese Fragen stellen (besonders bei der ersten): "Natürlich ist das wahr", oder: "Nein, ich weiß ja, dass das nicht wahr ist." The Work erschließt sich Ihnen, wenn Sie über die schnellen Antworten des Intellekts hinausgehen und eine tiefere Weisheit zulassen. Stellen Sie die Frage und warten Sie dann in Stille, bis die Stimme des Herzens antwortet. Lassen Sie die tieferen Antworten aufsteigen. Mit etwas Übung werden Sie anfangen, Ihrer eigenen Erfahrung zu vertrauen. Sie lernen, sich auf Ihre eigenenAntworten zu verlassen - nicht auf die der Welt -, um zu sehen, was wahr für Sie ist. Beispiel: Paul sollte mich verstehen.
Frage 1: Ist das wahr?
Ist es wahr, dass Paul Sie verstehen sollte? Wie sieht die Realität aus? Werden Sie still. Warten Sie auf die Antwort. Wenn Sie das Gefühl haben, dass es wahr ist, dann stellen Sie Frage 2. Falls Sie fühlen, dass es nicht wahr ist, gehen Sie gleich zu Frage 3 über.
Wenn Sie die vier Fragen auf die Nummer 1 des Arbeitsblattes anwenden, können Sie die ursprüngliche Aussage vereinfachen. Zum Beispiel: "Ich bin wütend auf Paul, weil er mich nicht versteht" wird vereinfacht zu: "Paul sollte mich verstehen."
Frage 2: Können Sie mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
Diese Frage ist eine zweite Chance, nach innen zu gehen und zu sehen, worüber Sie denn wirklich die Wahrheit wissen können. Können Sie mit absoluter Sicherheit wissen, dass Paul Sie verstehen sollte? Können Sie wissen, was er im Moment am besten verstehen sollte - wieviel Verständnis er auf seinem Lebensweg jetzt haben sollte? Steht es Ihnen zu, das Ausmaß des Verstehens zu bestimmen, welches eine andere Person auf dieser Erde hat? Und wie sieht die Realität aus? Versteht er Sie? Die Antwort zu dieser Frage ist das, was wahr ist, weil es wirklich ist. Die ganze Welt mag sagen: "Er sollte dich verstehen; Ehemänner sollten ihre Frauen verstehen." Betrachten Sie nun ganz genau Ihre eigene Erfahrung, um zu sehen, was wahr für Sie ist. Ich habe 1986 erkannt, dass die Mythen und Ideale, von denen diese Welt redet, nicht wahr sind. Wahr ist das, was in Wirklichkeit geschieht. "Paul sollte mich verstehen."Ist das wahr? Meiner Erfahrung nach, nein - „ Paul sollte mich nicht verstehen” ist wahrer. Das ist die Realität - manchmal.
Neulinge bei The Work haben oft Schwierigkeiten damit, wie ich das Wort: „sollte” gebrauche. Sie sagen: "Also gut, Katie, ich sehe, dass er dich in Wirklichkeit nicht versteht. Aber er sollte es, richtig? Ich meine, du musst ihn doch dazu bringen, daran zu arbeiten."Das habe ich jahrelang versucht und das Resultat waren Depression und Ärger. Ich wollte eigentlich nur, dass er mich versteht, um mich dann glücklicher zu fühlen. Und mir ist aufgefallen: wenn ich nicht mehr glaube, dass er mich verstehen sollte - dann bin ich glücklich! Ich verlor den irrsinnigen Glauben, dass mir der Kampf mit der Welt Frieden bringen würde. Es sollte das passieren, was gerade passiert - offensichtlich! Es ist nämlich das, was jetzt wirklich geschieht. Alles andere ist nur Fantasie, eine Geschichte, die wir erzählen.
Glauben Sie das nicht, nur weil ich es sage. Wenn Ihre Antwort auf die zweite Frage "Ja"ist - gut. Es gibt keine falsche Antwort. Fahren Sie einfach mit dem Erkundungsprozess fort. Mit der nächsten Frage untersuchen wir die Gefühle, die auf unser Denken folgen.
Frage 3: Wie reagieren Sie, wenn Sie diesen Gedanken denken?
Was passiert, wenn Sie denken: „Paul sollte mich verstehen” und er es nicht tut? Machen Sie eine Liste. Wie behandeln Sie Paul? Wie behandeln Sie sich selbst? Was passiert in Ihrem Körper? Bringt dieser Gedanke Stress oder Frieden in Ihr Leben?
Frage 4: Wer wären Sie ohne diesen Gedanken?
Schließen Sie die Augen. Sehen Sie sich in der Gegenwart der Person, die Sie ändern möchten. Stellen Sie sich vor, wie Sie sie für nur einen Moment ohne Ihren Gedanken anschauen. Was sehen Sie? Nun stellen Sie sich vor, wie diese Person sich von Ihnen behandelt fühlt, während Sie die Geschichte ausagieren, dass sie Sie verstehen sollte. Wie sähe Ihr Leben ohne diesen Gedanken aus?
Es geht nicht um den Versuch, Ihre Reaktionen zu ändern oder die Dinge anders zu sehen. Dies ist einfach eine Untersuchung, eine Gelegenheit, nach innen zu gehen und Ihre Gedanken und deren Auswirkungen unmittelbar zu beobachten. Wenn Sie diesen Zusammenhang klar erkennen, ändert sich Ihr Leben automatisch. Es muss sich ändern; denn wenn Sie einmal verstehen, dass seelisches Leiden durch Ihr Denken über die Welt und nicht durch die Welt an sich verursacht wird, dann werden Probleme zu Gelegenheiten für Selbsterkenntnis, und das Leben wird zum Geschenk.
